Kalium und Kalzium im EKG — ein Ion, eine Phase, ein Abschnitt

Kalium formt die T-Welle und, wenn es hoch genug ist, die ganze Leitung. Kalzium formt die ST-Strecke und damit die QT-Zeit. Zwei Regler, zwölf Ableitungen, der Normalbefund dahinter — und der Hinweis, dass das EKG dafür unempfindlich ist.

Beispielfälle

Wähl einen Fall — oder stell Kalium und Kalzium selbst ein und sieh, wie sich die Kurve gegenüber dem Normalbefund (grün) verändert.

Die Kurve, an der man alle anderen misst: P, PQ, QRS, ST, T — und keine U-Welle, die man sehen müsste.

Die Laborwerte

Kalium normal (3,5–5,0)

Kalzium normal (2,2–2,65)

Normal: Kalium 3,5–5,0, Gesamtkalzium 2,2–2,65 mmol/l (ionisiert etwa die Hälfte). Magnesium zeigt im EKG keine eigenen Zeichen — seine Störungen kommen mit Kalium und Kalzium.

Zeiten und Höhen

PQ
165 ms
normal
QRS
83 ms
normal
QT
333 ms
 
QTc
360 ms
normal
T (V5)
0,24 mV
 
P (II)
0,13 mV
 

QTc nach Bazett (QT / √RR). Bei Hypokaliämie misst man leicht die U-Welle mit — dann steht hier die QU-Zeit daneben.

Zwölf Ableitungen — Elektrolyte (schwarz) über Normalbefund (grün)

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Ableitung V5, groß

V5

Was man sieht — und was es heißt

  • Unauffällig: P, QRS, ST-Strecke und T-Welle im Normalbereich.

— Umgekehrt gilt: Nicht jede hohe T-Welle ist Kalium. Hohe, breite T-Wellen in V2 bis V4 bei jungen Männern sind oft frühe Repolarisation; die „Erstickungs-T“ des beginnenden Infarkts ist breit, nicht schmal, und kommt mit Beschwerden.

Der eine Satz, um den alles geht

Kalium bestimmt die Rückbildung, Kalzium das Plateau. Viel Kalium macht die Rückbildung schnell und steil — die T-Welle hoch, schmal, zeltförmig — und die Zellen schwer erregbar: P flach, PQ lang, QRS breit, zuletzt eine Sinuswelle. Wenig Kalium zieht die Rückbildung hin: T flach, eine U-Welle, die Strecke hängt durch. Wenig Kalzium verlängert das Plateau und damit die ST-Strecke, viel Kalzium verkürzt sie — die T-Welle bleibt, wie sie ist.

Warum das EKG hier nicht reicht

Die Stufen der Hyperkaliämie stehen in jedem Lehrbuch: ab etwa 5,5 hohe T-Wellen, ab 6,5 PQ-Verlängerung und P-Verlust, ab 7,5 QRS-Verbreiterung, ab 8,5 die Sinuswelle. Die Wirklichkeit hält sich schlecht daran. In einer Reihe von 90 Patienten mit Kalium über 6 hatte ein großer Teil ein unauffälliges EKG, und die T-Wellen-Veränderungen hingen nicht am Serumwert (Montague 2008). Das EKG ist unempfindlich — ein normales EKG schließt nichts aus, und beim stabilen Patienten steuert der Laborwert die Therapie, nicht die Kurve. Was das EKG kann: den Notfall zeigen, der keine Zeit mehr hat.

Die Fehler, die man kennen muss

Pseudohyperkaliämie: Hämolyse bei der Abnahme, lange Stauung, Faust pumpen, hohe Thrombozyten- oder Leukozytenzahl — das Kalium im Röhrchen ist hoch, das im Menschen nicht. Zweite Probe ohne Stauung, bevor man behandelt. Die U-Welle als QT: Bei Hypokaliämie misst das Gerät T und U zusammen und meldet eine lange QT-Zeit; die Ursache ist eine andere. Albumin: Das Gesamtkalzium hängt am Albumin; bei niedrigem Albumin ist das ionisierte Kalzium normal, obwohl das Labor „niedrig“ druckt. Nicht jede hohe T-Welle ist Kalium: Frühe Repolarisation bei jungen Männern und die breite „Erstickungs-T“ des beginnenden Infarkts sehen ähnlich aus — die Kaliumwelle ist schmal und spitz, und die Geschichte dazu ist eine andere.

Kurve gerechnet mit Motor 1 (Erregungsausbreitung) und den Stellschrauben aus Diercks 2004, Mattu 2000 und Rautaharju 2009 (AHA/ACCF/HRS, Teil IV); Unempfindlichkeit nach Montague 2008; QTc nach Bazett. Amplituden sind Hausnummern, keine Messwerte. Kein Magnesium, keine Medikamente, keine Rhythmusstörung. Festlegungen und Grenzen in docs/ELEKTROLYTE_KRITERIEN.md. Lehrmaterial, keine klinische Entscheidungshilfe.

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