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Track 11: Recherchieren mit KI

Warum Sprachmodelle Quellen erfinden, wie man fragt, damit Antworten prüfbar werden, wie eine Recherche in Schritten läuft — und der Belegprüfer, der nachsieht, ob es eine Quelle gibt.

Lektion 1

Warum Modelle Quellen erfinden

Frag ein Sprachmodell nach einer Quelle, und du bekommst eine: Autoren, Titel, Zeitschrift, Jahr, Seitenzahlen, oft sogar eine DOI. Alles sieht aus wie aus einer Literaturliste. In einem erheblichen Teil der Fälle gibt es die Arbeit nicht. Das ist keine Panne und keine Bosheit — es folgt aus dem, was ein Modell tut.

Ein Modell hat keine Bibliothek

Ein Sprachmodell sagt das nächste Wort voraus, aus Milliarden Texten gelernt. In diesen Texten stehen Millionen Literaturangaben, und das Modell hat gelernt, wie sie aussehen: „Nachname Initiale, Nachname Initiale. Titel. Zeitschrift Jahr;Band: Seiten.“ Fragt man nach einem Beleg, erzeugt es eine Wortfolge, die dieses Muster perfekt erfüllt — mit Autoren, die in dem Feld publizieren, einer Zeitschrift, die solche Arbeiten druckt, einem Jahr, das plausibel ist. Es schlägt nicht nach. Es kann nicht nachschlagen, wenn es kein Suchwerkzeug hat. Das Ergebnis heißt Halluzination, und bei Literaturangaben ist sie besonders tückisch, weil eine erfundene Angabe von einer echten äußerlich nicht zu unterscheiden ist.

Ganz erfunden

Autoren, Titel, DOI — nichts existiert. Oft mit runden Zahlen („halbiert das Risiko“) und griffigem Studiennamen. Erkennt der Belegprüfer.

Zusammengesetzt

Echter Erstautor, echte Zeitschrift, aber falsches Jahr oder ein Titel aus einer anderen Arbeit. Das Modell „erinnert“ sich halb. Erkennt der Belegprüfer als „abweichend“.

Verdreht

Die Arbeit existiert genau so — aber sie sagt nicht, was die Antwort behauptet. Die gefährlichste Sorte, weil jede Prüfung auf Existenz sie durchwinkt. Erkennt nur, wer liest.

Modelle mit angeschlossener Suche, „Deep Research“ und ähnliche Werkzeuge, holen echte Seiten und zitieren daraus. Das senkt die erste Sorte deutlich — und ändert an der dritten nichts: Auch eine gefundene Quelle kann falsch zusammengefasst werden. Und wer die Suche nicht eingeschaltet hat, bekommt weiter das reine Modell.

Der eine Satz: Ein Sprachmodell hat keine Bibliothek. Eine Literaturangabe ist für das Modell eine Wortfolge, die nach Literaturangabe aussieht. Deshalb ist der einzige Schutz: nachsehen.

Warum das dich angeht

Es gibt inzwischen Gerichtsurteile, Doktorarbeiten und Behördenberichte mit erfundenen Quellen aus Sprachmodellen. Wer eine KI-Recherche ungeprüft übernimmt, unterschreibt mit seinem Namen für Dinge, die es nicht gibt. Wer zu prüfen weiß, kann die Werkzeuge trotzdem nutzen — und spart Stunden.
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