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Track 18: EKG-Vertiefung: Hypertrophie und Belastung

Der Muskel selbst: wie viel davon da ist, wie lange er braucht, wohin das Herz gedreht ist — und was davon in zwölf Ableitungen ankommt.

Lektion 1

Der Bau im EKG: Masse, Zeit, Richtung

Bis hierher ging es im EKG immer um den Weg der Erregung: welche Bahn fehlt (Grundkurs), in welchem Takt es läuft (Aufbaukurs), wo der Muskel verletzt ist (Ischämie), woher ein schneller Rhythmus kommt (Tachykardien). Jetzt geht es um den Muskel selbst: Wie viel davon da ist, wie lange er braucht, und wohin das Herz im Brustkorb gedreht ist. Das ist der Bau des Herzens, und er steht in jedem EKG, meist unbeachtet.

Drei Größen, die man im EKG sieht

  • Masse. Mehr Muskel heißt mehr elektrische Kraft: Die Zacken werden höher, in den Ableitungen, die auf den dicken Teil schauen, und tiefer in denen, die von ihm wegschauen. Das ist der ganze Gedanke hinter den Spannungskriterien.
  • Zeit. Eine dicke Wand braucht länger, bis sie durcherregt ist. Der QRS wird etwas breiter, bleibt aber unter 120 ms — und der Gipfel der R-Zacke rückt nach hinten. Diesen Zeitpunkt nennt man den oberen Umschlagspunkt: vom Beginn des QRS bis zum Scheitel des R, gemessen in V5/V6 für links und in V1 für rechts.
  • Richtung. Wächst eine Kammer, zieht sie den Summenvektor zu sich: links und nach hinten bei der linken, nach rechts und vorn bei der rechten. Die Achse dreht, und die Übergangszone in den Brustwandableitungen wandert.

Normaler Bau

Beide Kammern und beide Vorhöfe in normaler Masse. Alle Kriterien unten müssen hier NICHT erfüllt sein — das ist die erste Prüfung jedes Kriteriums.

QRS
83 ms
Achse
29°
Linkstyp
P-Welle
80 ms
0.14 mV in II · Achse 44°
Bereich ±1.4 mV, ein Kästchen bleibt 0,1 mV.
IqR
aVRQ
V1rS
V4R
IIR
aVLqR
V2rS
V5R
IIIRS
aVFR
V3RS
V6qR

Ein großes Kästchen sind 200 ms und 0,5 mV. Die Amplituden des Modells sind nicht kalibriert; die Grenzen rechts sind trotzdem die veröffentlichten, und der Normalfall liegt unter jeder von ihnen. Der obere Umschlagspunkt liegt im Modell bei 24 ms statt 35 bis 45 und wird deshalb am Normalfall gemessen, nicht an der Grenze von 50 ms.

Messtafel

Kein Kriterium erfüllt.

S V1 0.72R V5/V6 0.85R aVL 0.51R/S V1 0.15OUP V1 7 msOUP V6 24 msST V6 0.00T V1 -0.19P V1 Ende −0.09 × 45 msP Gipfel II 1
Linke Kammer
  • Sokolow-Lyon-Index: S in V1 + R in V5 oder V6–
    1.58 mV · Grenze ≥ 3,5 mV
  • Cornell-Index: R in aVL + S in V3 (Männer)–
    0.59 mV · Grenze ≥ 2,8 mV
  • Cornell-Index (Frauen)–
    0.59 mV · Grenze ≥ 2,0 mV
  • Oberer Umschlagspunkt in V5/V6 verzögert–
    24 ms · Grenze deutlich über dem Normalfall des Modells (24 ms); am Papier ≥ 50 ms
  • Rückbildungsstörung links: ST-Senkung und negative T-Welle in V5/V6–
    ST V6 0.00 mV, T V6 0.19 mV · Grenze ST ≤ −0,05 mV und T negativ in V5 und V6
  • Linkslage (Achse unter +0°)–
    29° · Grenze < 0°
Rechte Kammer
  • R größer als S in V1–
    0.15 · Grenze R/S ≥ 1
  • Hohes R in V1–
    0.11 mV · Grenze ≥ 0,7 mV
  • Tiefes S in V5/V6–
    0.05 mV · Grenze ≥ 0,5 mV (am Papier meist ≥ 0,7)
  • Steil- bis Rechtstyp–
    29° · Grenze ≥ +90°
  • Oberer Umschlagspunkt in V1 verzögert–
    7 ms · Grenze ≥ 35 ms
  • Rückbildungsstörung rechts: T negativ in V1 bis V3–
    T V1 -0.19 mV, V3 -0.00 mV · Grenze T < −0,05 mV in V1, V2 und V3
  • S in I (S1 der akuten Rechtsbelastung)–
    0.07 mV · Grenze ≥ 0,15 mV
  • T negativ in III (T3)–
    -0.01 mV · Grenze < −0,05 mV
  • Inkompletter Rechtsschenkelblock (rSR' in V1, QRS 110 bis 119 ms)–
    rS, 83 ms · Grenze rSR' in V1 und QRS 110–119 ms
Vorhöfe
  • P pulmonale: hohe, spitze P-Welle in II–
    0.14 mV, 80 ms · Grenze ≥ 0,25 mV
  • P mitrale: breite, doppelgipflige P-Welle–
    80 ms, 1 Gipfel · Grenze ≥ 120 ms, zwei Gipfel in II
  • Morris-Index: negativer Endteil der P-Welle in V1–
    0.09 mV × 45 ms · Grenze ≥ 0,1 mV tief und ≥ 40 ms lang

Klick den Normalbau an und lies die Messtafel: Alles bleibt unter jeder Grenze. Dann die linke Kammer — der Sokolow-Index springt auf über 4 mV, der Gipfel in V6 kommt später, die Achse rückt nach links. Dann die rechte: V1 wird positiv, die Achse dreht auf über +110°. Nichts davon ist eingetragen. Das Modell hat nur mehr Muskel bekommen.

Die Hausnummern-Frage, offen gesagt. Dieses Modell hat keine kalibrierten Millivolt; das steht seit dem Grundkurs in jeder Fußzeile. Für Hypertrophiekriterien ist das heikel, denn sie sind Millivolt. Gelöst ist es so: Der Maßstab ist so gewählt, dass der Normalfall unter allen Grenzen liegt und die vergrößerte Kammer darüber; die Verhältnisse stimmen, die Zahlen bleiben Hausnummern. Beim oberen Umschlagspunkt liegt der Normalfall des Modells bei 24 ms, am Papier bei 35 bis 45; deshalb wird er hier am Normalfall gemessen und nicht an der Grenze von 50 ms. Am echten EKG gelten die echten Grenzen — und ein Lineal.

Warum das dich angeht

Eine dicke linke Kammer ist bei Hypertonie der stärkste Vorbote von Herzschwäche, Vorhofflimmern und Schlaganfall, und sie bildet sich unter Behandlung zurück. Das EKG findet sie nicht immer — aber wenn es sie findet, ist das ein Befund, der den Blutdruck zur Chefsache macht. Und eine überlastete rechte Kammer am Morgen nach plötzlicher Luftnot ist eine Lungenembolie, bis das Gegenteil bewiesen ist.
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