Track 21: Thromboseprophylaxe in der Praxis
Exposition mal Disposition, Blutungsrisiko dagegen: der TRiP(cast)-Score für den Gips, die Dauer nach der Entlassung, Schlaganfall, Reise und Krebs, die Abwägung der Leitlinie und die Medikamententafel.
Risiko ist ein Produkt: Situation mal Mensch
Eine Thrombose entsteht, wenn drei Dinge zusammenkommen, die Virchow vor 170 Jahren beschrieben hat: Das Blut steht (Stase), die Gefäßwand ist verletzt, das Blut gerinnt leichter. Die Leitlinie übersetzt das in zwei Fragen, die man bei jedem Patienten getrennt stellt: Was tut die Situation (Exposition: Operation, Gips, Bettruhe, Lähmung), und was bringt der Mensch mit (Disposition: Alter, frühere Thrombose, Krebs, Hormone, Übergewicht, Thrombophilie)? Erst beides zusammen ergibt das Risiko, und erst das Risiko ergibt die Prophylaxe.
Drei Stufen, drei Antworten
| Risiko | Beispiele | Was die Leitlinie sagt |
|---|---|---|
| Niedrig | Kleine Eingriffe, kurze Immobilisation, Arthroskopie ohne Risikofaktoren, Unterschenkelgips mit TRiP(cast) unter 7 | Basismaßnahmen: Frühmobilisation, Bewegungsübungen, Aufklärung. Keine Medikamente. |
| Mittel | Längere Immobilisation, mittlere Operationen, Unterschenkelgips mit TRiP(cast) 7 bis 10, akute internistische Erkrankung mit Bettlägerigkeit | Medikamentöse Prophylaxe in der Dosis für mittleres Risiko, dazu Basismaßnahmen. |
| Hoch | Hüft- und Kniegelenkersatz, Hüftfraktur, große Bauch- und Beckeneingriffe, Polytrauma, Schlaganfall mit Beinparese, TRiP(cast) über 10 | Medikamentöse Prophylaxe in der Dosis für hohes Risiko, oft über die Entlassung hinaus. |
Was Basismaßnahmen sind, und was nicht
Frühmobilisation, Bewegungsübungen im Bett und im Gips (Zehen, Sprunggelenk, soweit frei, Hüfte), Anleitung zur Eigenbewegung, ausreichend trinken. Das gilt für alle, auch für die, die Medikamente bekommen. Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe sind ein Zusatz, kein Ersatz: Allein senken sie das Risiko nur wenig, und bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit, Neuropathie oder Hautschäden schaden sie. Die Leitlinie empfiehlt sie nicht mehr routinemäßig, sondern als Ergänzung bei hohem Risiko oder als Ausweg, wenn Medikamente nicht gehen.
Warum das dich angeht
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