Track 23: Nackenschmerzen: untersuchen, entscheiden, aktivieren
Der zweithäufigste muskuloskelettale Beratungsanlass nach der DEGAM-S3-Leitlinie 2025: den einen von hundert mit struktureller Ursache finden, die anderen nicht röntgen, und alle in Bewegung bringen. Mit Erstkontakt-Werkzeug, Spurling-Test und Upper-Limb-Tension-Tests im Video, Therapietabellen, Gesprächsleitfaden und zehn Fällen.
Einer von hundert: der Beratungsanlass
Nackenschmerzen sind nach Kreuzschmerzen der zweithäufigste muskuloskelettale Beratungsanlass und der dritthäufigste Beratungsanlass überhaupt in deutschen Hausarztpraxen. Fast die Hälfte aller Erwachsenen ist jedes Jahr betroffen. Und bei weniger als einem von hundert steckt eine ernsthafte Erkrankung dahinter: ein Tumor, eine Infektion, eine Blutung, eine Gefäßverletzung, eine Fraktur. Das ist die ganze Aufgabe in einem Satz: den einen finden, ohne die neunundneunzig durch das Röntgengerät und die Fango-Abteilung zu schicken.
Was „Nacken“ heißt, und was „nichtspezifisch“
Der Nacken reicht von der oberen Nackenlinie am Hinterkopf bis zum ersten Brustwirbel, seitlich bis zu den Ansätzen des Kapuzenmuskels an der Schulter. Zeitlich teilt die Literatur in akut (bis drei Wochen), subakut (vier bis zwölf Wochen) und chronisch (länger als zwölf Wochen), und gibt zu, dass das in der Praxis wackelt: Zählt man ab dem Beginn der Schmerzen oder ab dem Besuch? Wichtiger als die Wochen ist die Einteilung nach Ursache: Lassen sich behandlungs- oder abklärungsbedürftige Ursachen ausschließen, spricht man von nichtspezifischenNackenschmerzen. Das ist keine Verlegenheitsdiagnose, sondern die Diagnose, die nach Anamnese und Untersuchung bei den allermeisten steht.
| Die hausärztliche Rolle | Was das konkret heißt |
|---|---|
| Differenzierte Einschätzung | Im Erstkontakt den abwendbar gefährlichen Verlauf ausschließen, mit Anamnese und Untersuchung, nicht mit Bildern |
| Strukturierte Beratung | Gutartigkeit erklären, Bewegung empfehlen, Selbstmanagement anleiten, Chronifizierungsfaktoren ansprechen |
| Überdiagnostik vermeiden | Keine Bildgebung ohne Hinweis, keine passiven Verordnungen, die eine passive Haltung fördern. Quartäre Prävention: den Patienten vor nutzloser Medizin schützen |
Was den Verlauf chronisch macht
Schon im Erstkontakt gehören psychosoziale und arbeitsplatzbezogene Faktoren erfasst, weil sie das Chronifizierungsrisiko maßgeblich erhöhen: Depressivität und emotionaler Distress, die Einstellung zu den Beschwerden (passive Grundhaltung, Angst mit Vermeidungsverhalten, Hoffnungslosigkeit), und die Arbeit: Art, Zufriedenheit, Angst vor dem Verlust. Diese Fragen kosten zwei Minuten und entscheiden mehr über den Verlauf als die meisten Befunde.
Warum das dich angeht
Nach Kötter T, Hecht N, Luedtke K, Weidner N, El-Allawy A: Nichtspezifische Nackenschmerzen – Empfehlungen aus der DEGAM-S3-Leitlinie. Z Allg Med 2025;101:439–446 (CC BY 4.0), und der S3-Leitlinie Nichtspezifische Nackenschmerzen der DEGAM (AWMF 053-007, 07/2025). Am Patienten gilt die Leitlinie, nicht diese Seite.
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