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Track 25: pAVK: Pulse tasten, Stadium bestimmen, Bein erhalten

Die S3-Leitlinie 2024 für die Praxis: die Krankheit, die am Herzen stirbt, die Stadien nach Fontaine, die Claudicatio gegen den Spinalkanal, der Knöchel-Arm-Index mit der Mediasklerose-Falle, die Basistherapie mit Clopidogrel und LDL unter 55, das Gehtraining als Rezept, und die kritische Ischämie mit WIfI, bei der das Zeitwort unverzüglich heißt. Mit vier Werkzeugen, Gesprächsleitfaden und zehn Fällen.

Lektion 1

Die Krankheit, die am Herzen stirbt: Stadien und Claudicatio

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit ist zu 95 Prozent Atherosklerose, und sie ist in der Hausarztpraxis vor allem eines: eine Krankheit, die am Herzen stirbt. Wer die Diagnose stellt, findet im Mittel bei jedem Zweiten zugleich eine koronare Herzkrankheit und bei 14 bis 19 Prozent eine zerebrovaskuläre Erkrankung. Patienten mit pAVK sterben häufiger als Patienten mit alleiniger koronarer Herzkrankheit, auch weil sie die Medikamente für ihr Risikoprofil seltener bekommen. Die Prävalenz steigt mit dem Alter: 15 bis 20 Prozent ab 70, rund 20 Prozent über 80, Männer häufiger als Frauen. Bei abnehmender Nierenfunktion steigt sie auf bis zu 50 Prozent.

Die Stadien

FontaineRutherfordKlinikWas die Leitlinie daraus macht
I0Keine Beschwerden, Befund zufällig (Pulse, ABI)Basistherapie; keine Plättchenhemmung allein deswegen; keine Revaskularisation (5.1)
IIa1Claudicatio intermittens, Gehstrecke über 200 MeterBasistherapie, Plättchenhemmer, Gehtraining (4.21)
IIb2 bis 3Claudicatio intermittens, Gehstrecke unter 200 MeterDasselbe; Cilostazol oder Naftidrofuryl nur bei erheblicher Einschränkung ohne mögliches Training (4.33); Revaskularisation nach drei Monaten ohne Besserung (5.3)
III4Ischämischer Ruheschmerz, meist im Fuß, nachts, besser beim HerabhängenKritische Extremitätenischämie (CLTI): unverzügliche Diagnostik und Therapie (3.5), interdisziplinäre Revaskularisationsentscheidung (4.2)
IV5 bis 6Ulkus oder Gangrän, meist an Zehen und FußCLTI; Schweregrad nach WIfI (5.9); Wunde und Infektion zählen so viel wie die Ischämie

Die Claudicatio, genau definiert

Der typische Claudicatio-Schmerz ist ein reproduzierbarer, belastungsabhängiger Muskelschmerz, der sich in Ruhe nach wenigen Minuten bessert, im Stehen, ohne dass man sich setzen muss. Je nach Lage der Engstelle sitzt er in Gesäß, Oberschenkel, Wade oder Fuß. Die Definition ist das wichtigste Werkzeug der Differenzialdiagnose, denn die nichtvaskulären Ursachen sind im Alter häufig und sehen auf den ersten Blick gleich aus: Spinalkanalstenose, Hüft- und Kniearthrose, degenerative LWS-Syndrome, Nervenkompression. Sie unterscheiden sich an zwei Stellen: Die Beschwerden hängen von der Körperhaltung ab, und sie bleiben in der Gehpause bestehen. Wer sich hinsetzen oder nach vorn beugen muss, damit es nachlässt, hat eher einen engen Spinalkanal als eine enge Arterie. Beides kann zusammen vorkommen, und dann überlagert das eine das andere.

FrageArterieSpinalkanalGelenk
Wo?Muskel: Wade, Oberschenkel, GesäßBeide Beine, Rücken, Gesäß, Schwere, TaubheitLeiste, Knie, Trochanter
Wann?Nach reproduzierbarer Strecke, bergauf früherBeim Stehen und Gehen, Radfahren oft freiBei Belastung, Anlauf, Treppe
Besser durch?Stehenbleiben, MinutenHinsetzen, Vorbeugen, EinkaufswagenEntlastung, Ruhe, Wärme
BefundPulse fehlen, ABI unter 0,9Pulse tastbar, neurologischBewegungsschmerz des Gelenks

Die kritische Ischämie

Die chronische extremitätenbedrohende Ischämie, CLTI, ist das Stadium, in dem das Bein auf dem Spiel steht: Ruheschmerz im Fuß, kälter und livide-rötlich im Seitenvergleich, oft mit Wunden an Zehen und Fuß. Das Kardinalsymptom kann fehlen: Bei Neuropathie, also bei vielen Menschen mit Diabetes und bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz, gibt es keinen Ruheschmerz, und die Wunde ist der erste Befund. Deshalb verlangt die Leitlinie bei geriatrischen Patienten das Tasten der Fußpulse in der Gesundheitsuntersuchung auch ohne Symptome (7.1). Bei klinischem Verdacht auf CLTI soll unverzüglich weitere Diagnostik und Therapie eingeleitet werden (3.5). In der Praxis heißt das: stationäre Vorstellung in einem Krankenhaus mit Gefäßchirurgie, am selben Tag. Einen Termin beim Angiologen gibt es in zwei Wochen nicht, und ein Anruf aus der Praxis ändert daran nichts.

Das Stadium und was es verlangt

Beschwerden und Fußpulse eingeben. Das Werkzeug nennt das Stadium nach Fontaine und Rutherford und die Maßnahmen aus Tabelle 4-1 der S3-Leitlinie.

Beschwerden
Fußpulse (A. dorsalis pedis, A. tibialis posterior)
Fontaine I · Rutherford 0

Asymptomatische pAVK

Zuerst tasten, seitenvergleichend, dazu Inspektion und Auskultation (3.2). Tastbare Fußpulse schließen eine fortgeschrittene pAVK aus; fehlende verlangen den ABI.

Stadienunabhängig (Tabelle 4-1): Nikotinkarenz (4.6), Statin hoher Intensität mit LDL unter 55 mg/dl (4.8, 4.9), Diabetes- und Blutdrucktherapie (4.12, 4.13). Keine Plättchenhemmung allein wegen der asymptomatischen pAVK, keine Revaskularisation (5.1).

Nach der S3-Leitlinie pAVK (DGA, AWMF 065-003, Version 4.3, 2024), Tabelle 3-1 und 4-1 und den genannten Empfehlungen. Ein Lernwerkzeug, keine Entscheidung am Patienten.

Für die Praxis
Die drei Fragen am Tresen, die die Dringlichkeit bestimmen: Tut der Fuß nachts weh, und hängen Sie ihn aus dem Bett? Gibt es eine Wunde am Fuß, die nicht heilt, oder eine dunkle Zehe? Ist der Fuß plötzlich kalt, blass und taub geworden? Ein Ja heißt heute stationär in ein Krankenhaus mit Gefäßchirurgie, das letzte heißt Rettungsdienst. Der Gehschmerz allein ist ein Termin diese Woche, mit Verschlussdruckmessung.

Warum das dich angeht

Die Leitlinie hat eine Frage, die jeder Patient mit kardiovaskulären Risikofaktoren hören soll (3.1): „Treten bei Ihnen bei normalem Gehen Beinkrämpfe oder -schmerzen auf?“ Das ist eine Frage für den Diabetes-Check, die Blutdruckkontrolle, die Gesundheitsuntersuchung. Wer sie stellt, findet die pAVK Jahre vor der Wunde, und mit ihr das Herz, das dahintersteht.

Nach der S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (DGA, AWMF 065-003, Version 4.3, November 2024) und dem CME-Beitrag von Ploenes (Z Gerontol Geriat 2025). Die Nummern sind die der Leitlinie. Am Patienten gilt die Leitlinie, nicht diese Seite.

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