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Track 5: EKG-Grundkurs

Vom Herzvektor zum Blockbild: Ableitungen verstehen, Lagetyp bestimmen, Schenkel- und Hemiblöcke erkennen.

Lektion 1

Vektoren und Ableitungen

Das Herz ist bei jedem Schlag eine kleine Batterie mit einer Richtung. Während sich die Erregung durch den Muskel ausbreitet, entsteht ein elektrisches Feld, und dieses Feld zeigt in jedem Augenblick irgendwohin — mal nach links unten, mal nach rechts. Diese Richtung samt Stärke nennt man den Herzvektor: einen Pfeil.

Eine EKG-Ableitung sieht diesen Pfeil nicht vollständig. Sie sieht nur, wie viel davon in ihre Richtung zeigt. Stell dir eine Taschenlampe vor, die von der Seite auf einen Stock leuchtet: An der Wand erscheint ein Schatten. Steht der Stock parallel zur Wand, ist der Schatten lang. Zeigt er direkt auf die Wand zu, ist der Schatten nur ein Punkt. Genau so arbeitet eine Ableitung — sie misst den Schatten des Herzvektors auf ihrer Achse.

Pfeil zeigt hin

Der Ausschlag geht nach oben.

Pfeil zeigt weg

Der Ausschlag geht nach unten.

Pfeil steht quer

Fast nichts — die Kurve ist flach oder gleich weit nach oben wie nach unten.

Dreh den Pfeil und sieh zu. Achte vor allem auf die grün markierte Ableitung: Sie steht am ehesten quer zum Pfeil und sieht deshalb am wenigsten.

IIIIIIaVRaVLaVF

Den roten Pfeil kannst du auch direkt ziehen. 0° zeigt nach links im Körper (im Bild rechts), +90° nach unten.

Istark positiv
IIstark positiv
IIIpositiv
aVRstark negativ
aVLpositiv
aVFstark positiv

III sieht gerade am wenigsten — sie steht fast senkrecht zum Pfeil. Das ist der Trick für später: Such die flachste Ableitung, dann steht der Herzvektor quer zu ihr.

Die sechs Ableitungen hier heißen Extremitätenableitungen. Sie schauen von vorn auf den Körper, in der sogenannten Frontalebene: I nach links, aVF nach unten, die übrigen dazwischen und gegenüber. Die sechs Brustwandableitungen V1 bis V6 schauen dagegen von vorn und von der Seite in die Waagerechte — sie ergänzen das Bild um vorne und hinten.

Der eine Satz, den du mitnimmst: Eine Ableitung ist ein Blickwinkel. Dieselbe Erregung sieht aus zwölf Blickwinkeln zwölfmal anders aus — und genau daraus kann man ablesen, in welche Richtung sie gelaufen ist.

Warum das dich angeht

Jedes Blockbild, das später kommt, ist nichts anderes als ein Herzvektor, der zur falschen Zeit in eine falsche Richtung zeigt. Wer den Schatten-Gedanken einmal verstanden hat, muss die Muster nicht auswendig lernen — er kann sie herleiten.
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