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Track 6: EKG-Aufbaukurs

Rhythmus und Überleitung: Frequenz bestimmen, PQ-Zeit messen, AV-Blockierungen erkennen und einordnen.

Lektion 1

Einen Rhythmusstreifen lesen

Im Grundkurs ging es um einen einzigen Herzschlag: wie die Erregung durch die Kammern läuft und welche Kurve daraus wird. Jetzt geht es um viele Schläge hintereinander — um den Rhythmus. Dafür schaut man auf einen längeren Streifen, meist zehn Sekunden aus einer Ableitung, in der man die P-Welle gut sieht. Das ist fast immer Ableitung II.

Zur Erinnerung: Die P-Welle ist die Erregung der Vorhöfe. Danach muss die Erregung durch den AV-Knoten, eine Art Schleuse zwischen Vorhöfen und Kammern, die sie kurz aufhält. Erst dann folgt der QRS-Komplex, die Erregung der Kammern. Die Zeit vom Beginn der P-Welle bis zum Beginn des QRS heißt PQ-Zeit — sie zeigt, wie lange die Schleuse gebraucht hat.

Drei Fragen an jeden Streifen

  1. Wie schnell? Zähl die QRS-Komplexe auf dem Zehn-Sekunden-Streifen und nimm sie mal sechs. Zwölf Komplexe sind also etwa 72 pro Minute. Bei regelmäßigem Rhythmus geht es auch so: 300 geteilt durch die Zahl der großen Kästchen zwischen zwei R-Zacken. Vier große Kästchen ergeben 75 pro Minute.
  2. Passen P und QRS zusammen? Steht vor jedem QRS eine P-Welle — und folgt auf jede P-Welle ein QRS? Wer hier nur die QRS-Komplexe anschaut, übersieht jede P-Welle, die stecken bleibt.
  3. Wie lang ist die PQ-Zeit — und bleibt sie gleich? Normal sind 120 bis 200 ms, also drei bis fünf kleine Kästchen. Wichtiger als der einzelne Wert ist oft, ob er sich von Schlag zu Schlag verändert.
1 kleines Kästchen

40 ms waagerecht, 0,1 mV senkrecht

1 großes Kästchen

200 ms — fünf kleine

5 große Kästchen

eine Sekunde

Unter jedem Streifen steht ein Leiterdiagramm. Es zeigt, was die Kurve nur andeutet: oben die Vorhöfe (A), in der Mitte die Überleitung durch den AV-Knoten (AV), unten die Kammern (V). Jede Erregung ist eine Linie von oben nach unten. Je schräger die Linie in der Mitte, desto länger die PQ-Zeit — die Zahl daneben nennt sie in Millisekunden. Drück auf Abspielen, um den Streifen in Echtzeit entstehen zu sehen.

Sinusrhythmus

Jede P-Welle wird übergeleitet, PQ-Zeit gleichbleibend.

Vorhof 70/min
Kammer 70/min
II0sAAVVPPPPPP165165165165165165
II5sAAVVPPPPPP165165165165165165

Unter jeder Zeile das Leiterdiagramm: A Vorhof, AV Überleitung, V Kammer. Blau: übergeleitet, die Zahl ist die PQ-Zeit in ms. Rot: bleibt im AV-Knoten stecken. Lila Punkt: Die Kammer schlägt im Takt eines Ersatzzentrums, ohne Bezug zum Vorhof. Orange P′: eine vorzeitige Erregung aus dem Vorhof. F statt P heißt Flatterwelle. Ein großes Kästchen sind 200 ms und 0,5 mV.

Alle drei Streifen sind Sinusrhythmen: Der Takt kommt vom Sinusknoten, jede P-Welle wird übergeleitet, die PQ-Zeit bleibt gleich. Nur die Geschwindigkeit unterscheidet sich. Unter 60 pro Minute spricht man von einer Sinusbradykardie, über 100 von einer Sinustachykardie.

Zur Grenze von 60: So steht sie in den meisten Lehrbüchern. Die amerikanische Leitlinie zu Bradykardien von 2018 setzt sie bei 50 pro Minute an, weil viele gesunde Menschen in Ruhe zwischen 50 und 60 liegen. Wer eine Frequenz beurteilt, sollte wissen, dass es diese beiden Grenzen gibt.

Warum das dich angeht

Eine langsame oder schnelle Frequenz ist für sich noch keine Krankheit. Bei trainierten Menschen und im Schlaf ist ein langsamer Puls häufig normal, bei Fieber, Aufregung oder Anstrengung ein schneller. Entscheidend ist, ob die Frequenz zur Situation passt und ob sie Beschwerden macht. Das steht nicht im EKG — das muss man den Menschen fragen.
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