Campus → Track 7 → Lektion 1

Track 7: Säure-Basen-Haushalt

Blutgasanalyse verstehen: Warum 7,40, wie Lunge und Niere gegensteuern, was mit dem Menschen passiert — und woher es kommt.

Lektion 1

Was der pH ist — und warum 7,40

Der pH-Wert sagt, wie sauer eine Flüssigkeit ist. Sauer heißt: viele freie Wasserstoff-Ionen, H⁺. Die Skala ist tückisch, weil sie logarithmisch ist — ein Schritt von 7,4 auf 7,1 klingt nach wenig, bedeutet aber doppelt so viele H⁺-Ionen. Ein Schritt um 1,0 wäre das Zehnfache.

Das Blut hält seinen pH bei 7,35 bis 7,45, mit erstaunlicher Härte. Unter 6,8 und über 7,8 ist Leben kaum noch möglich, und schon lange davor geht einiges schief. Der Grund: Fast alles, was im Körper arbeitet, sind Eiweiße — Enzyme, Pumpen, Kanäle. Eiweiße haben eine Form, und ihre Form hängt an der Ladung, und die Ladung hängt am pH. Verschiebt sich der pH, verändern sich alle Eiweiße gleichzeitig ein bisschen.

Was bei falschem pH passiert — vier Beispiele

Kalium wandert

Bei Azidose drängen H⁺-Ionen in die Zellen und Kalium kommt im Tausch heraus: Das Kalium im Blut steigt (Hyperkaliämie) — und Kalium bestimmt, wie erregbar das Herz ist.

Kalzium versteckt sich

Bei Alkalose bindet mehr Kalzium ans Eiweiß, das freie Kalzium sinkt — Kribbeln, verkrampfte Hände, im Extrem Tetanie. Der Gesamtwert im Labor bleibt dabei normal.

Das Herz wird schwächer

Ein saurer Muskel zieht sich schlechter zusammen, und Adrenalin wirkt schlechter. Bei schwerer Azidose fällt der Blutdruck, obwohl Flüssigkeit und Noradrenalin laufen — die Rezeptoren antworten nicht mehr, solange der pH nicht steigt.

Sauerstoff hängt anders am Blut

Bei Azidose gibt das Hämoglobin Sauerstoff leichter ab (Bohr-Effekt), bei Alkalose hält es ihn fester — das Gewebe bekommt weniger, obwohl die Sättigung gut aussieht.

Wer den pH hält: ein Puffer und zwei Organe

Ein Puffer ist ein Stoffpaar, das Säure schluckt, ohne dass sich der pH stark ändert. Der wichtigste im Blut ist das Bikarbonat (HCO₃⁻) mit seinem Partner, dem Kohlendioxid. Kommt Säure dazu, fängt Bikarbonat sie ab und wird zu CO₂ — das wird abgeatmet. Der pH ist am Ende nichts anderes als das Verhältnis der beiden: Bikarbonat zu CO₂, normal etwa 20 zu 1.

Und genau hier kommen die zwei Organe ins Spiel: Das CO₂ verwaltet die Lunge, innerhalb von Minuten, durch mehr oder weniger Atmung. Das Bikarbonat verwaltet die Niere, über Stunden bis Tage, indem sie Säure ausscheidet oder Bikarbonat zurückhält. Zwei Regler für ein Verhältnis — alles Weitere in diesem Kurs folgt daraus.

Der eine Satz: Der pH ist keine Größe, die der Körper einstellt. Er folgt aus zwei anderen — Bikarbonat und CO₂ — und ändert sich nur, wenn eines von beiden aus dem Tritt gerät.

Warum das dich angeht

Eine Blutgasanalyse liegt in der Praxis, im Rettungsdienst und auf jeder Station. Wer nur auf den pH schaut, sieht ein Ergebnis. Wer die zwei Zahlen dahinter liest, sieht die Ursache — und ob der Körper noch gegensteuert.
1 von 5

Hat dir das etwas gebracht? Dann teil den Link mit jemandem, dem es auch helfen könnte — und folge uns, dann verpasst du das nächste Werkzeug nicht.