Für Patientinnen und Patienten · Lesezeit 6 Minuten · Ärztlich geprüft am 5. Oktober 2026
Blutdruck: messen, einordnen, selbst etwas tun
Hoher Blutdruck tut nicht weh. Deshalb zählt nicht, wie Sie sich fühlen, sondern was das Gerät über mehrere Wochen zeigt. Hier steht, wie Sie richtig messen, was die Zahlen bedeuten und was wirklich hilft.
Das Wichtigste in drei Sätzen
- Ein einzelner hoher Wert sagt wenig. Der Mittelwert aus vier Wochen sagt viel.
- Zu Hause gilt ein Mittelwert ab 135 zu 85 als erhöht, in der Praxis ab 140 zu 90.
- Bewegung und weniger Gewicht wirken zusammen so stark wie ein Medikament. Wer raucht, gewinnt mit dem Aufhören am meisten.
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Richtig messen
1Fünf Minuten sitzen
Rücken angelehnt, Füße auf dem Boden, nicht sprechen. Kein Kaffee und keine Zigarette in der halben Stunde davor.
2Manschette am Oberarm
Auf der nackten Haut, auf Herzhöhe, der Arm liegt entspannt auf dem Tisch. Bei Handgelenkgeräten halten Sie das Handgelenk auf Herzhöhe, sonst messen sie ungenau.
3Zweimal messen
Mit ein bis zwei Minuten Pause dazwischen. Beide Werte aufschreiben, auch wenn der zweite niedriger ist.
4Immer zur gleichen Zeit
Am besten morgens vor dem Frühstück und vor den Tabletten.
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Vier Wochen aufschreiben
Unsere Praxisempfehlung: zweimal in der Woche messen, jedes Mal zwei Werte, vier Wochen lang. Dann kommen Sie mit dem Tagebuch wieder. Liegt der Blutdruck dauerhaft über 180 oben oder über 100 unten, melden Sie sich bitte früher.
Ihre Werte bleiben auf diesem Gerät. Sie werden nirgendwohin gesendet, und niemand außer Ihnen sieht sie. Wenn Sie den Browserverlauf löschen, sind sie weg: Drucken Sie das Tagebuch vor dem Termin aus.
Ein hoher Wert allein ist selten ein Notfall. Ein hoher Wert zusammen mit einem dieser Zeichen ist einer:
- Schmerzen oder Druck in der Brust
- Luftnot
- Lähmung, Taubheit oder hängender Mundwinkel
- Sprach- oder Sehstörung, die plötzlich auftritt
- sehr starker, ungewohnter Kopfschmerz
- Verwirrtheit oder Benommenheit
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Nebenwirkungen: nicht so häufig, wie Ihr Nachbar sagt
Ihr Nachbar ist eine Stichprobe von eins. Der Beipackzettel listet alles auf, was jemals gemeldet wurde, auch Beschwerden, die genauso oft unter einem Scheinmedikament auftreten. Die Studien haben nachgezählt.
Ramipril, Enalapril, Lisinopril
4 von 100 Menschen haben Beschwerden durch das Mittel. 96 haben keine.
Typisch: Trockener Reizhusten, der nicht weggeht.
Was dann: Der Husten ist harmlos, aber lästig. Sagen Sie Bescheid, dann wechseln wir auf ein Sartan.
Gezählt sind Beschwerden über das hinaus, was auch unter einem Scheinmedikament auftritt, bei üblicher Dosis. Bei halber Dosis sind es deutlich weniger. Ein Mittel senkt den Blutdruck im Schnitt um 9 zu 5,5. Quelle: Law und Kollegen, BMJ 2003, 354 Studien mit 40.000 Behandelten.
Wenn Sie etwas bemerken: Setzen Sie das Mittel nicht einfach ab, sondern sagen Sie es uns. Fast immer gibt es eine niedrigere Dosis oder eine andere Wirkstoffgruppe, die Sie besser vertragen.
Selten, aber wichtig: Schwellen Lippen, Zunge oder Gesicht an oder bekommen Sie schlecht Luft, rufen Sie sofort die 112.
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Was kann ich selbst tun?
Mehr, als die meisten denken. Jede dieser Maßnahmen ist in Studien gemessen, und jede wirkt auch dann, wenn Sie schon Tabletten nehmen.
Tippen Sie an, was Sie sich vorstellen können.
Noch nichts gewählt. Schon eine Sache wirkt.
Die Zahlen gelten für Menschen mit erhöhtem Blutdruck und sind Durchschnittswerte aus Studien: Cornelissen 2013, Neter 2003, Groppelli 1992, Filippou 2020, Roerecke 2017. Bei Ihnen kann es mehr oder weniger sein. Setzen Sie Medikamente nicht selbst ab, auch wenn die Werte besser werden.
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Aus anderen Heiltraditionen
Zum Weiterlesen, nicht als Empfehlung. Bei jedem Punkt steht, wie gut er nach den Maßstäben westlicher Studien belegt ist. Keiner davon ersetzt ein Medikament, das Sie brauchen.
Yoga und Atemübungen
Indien
Einige Studien, kleine WirkungIn Studien sinkt der Blutdruck um einige mmHg, vor allem wenn Atem- und Entspannungsübungen dabei sind. Die Studien sind klein. Schaden ist nicht zu erwarten.
Tai-Chi und Qigong
China
Einige Studien, kleine WirkungLangsame Bewegung mit ruhigem Atem. Die Studien zeigen eine kleine Senkung, sind aber von unterschiedlicher Güte. Gut geeignet für Menschen, denen Sport schwerfällt.
Hibiskustee
Afrika, Mittelamerika, Naher Osten
Wenige, kleine StudienZwei bis drei Tassen am Tag senkten in kleinen Studien den Blutdruck etwas. Als Getränk unbedenklich, als Ersatz für ein Medikament nicht geeignet.
Knoblauch
Europa, Asien
Wenige, kleine StudienKleine Studien mit Knoblauchpräparaten zeigen eine Senkung, die Güte der Studien ist gering. Vorsicht bei Blutverdünnern: bitte vorher fragen.
Akupunktur
China
Nach westlichen Studien nicht belegtEine anhaltende Senkung des Blutdrucks ist in guten Studien nicht gezeigt. Kurz nach der Behandlung kann er etwas niedriger sein.
Ayurvedische und chinesische Kräutermischungen
Indien, China
Nach westlichen Studien nicht belegtManche Pflanzen wirken tatsächlich stark: Aus der indischen Schlangenwurzel stammt ein altes Blutdruckmittel. Gerade deshalb sind Mischungen unbekannter Zusammensetzung riskant. Bitte immer mitbringen und zeigen.
Die Links führen zu frei zugänglichen Seiten gesetzlicher Krankenkassen. Auf deren Inhalt haben wir keinen Einfluss.
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Kurz geprüft: Was nehmen Sie mit?
Fünf Fragen für alle, die mögen. Ohne Note.
1. Sie messen zu Hause im Mittel 138 zu 82. Was bedeutet das?
2. Wie messen Sie richtig?
3. Ihr Nachbar sagt, von Blutdrucktabletten bekomme „jeder“ Nebenwirkungen. Was zeigen die Studien?
4. Der Blutdruck liegt bei 190 zu 105 und Sie haben plötzlich Druck in der Brust. Was tun Sie?
5. Was senkt den Blutdruck ohne Tablette am stärksten?
Keine Note, kein Zeitdruck. Ihr Stand wird auf diesem Gerät gemerkt.
Was diese Seite nicht kann
Sie stellt keine Diagnose und ändert keine Behandlung. Sie nennt keine Dosis. Welche Werte für Sie persönlich das Ziel sind, hängt von Alter und Begleiterkrankungen ab und gehört ins Gespräch in der Praxis. In der Schwangerschaft gelten andere Regeln: Bitte melden Sie sich bei erhöhten Werten sofort.
Version 1.1 · Ärztlich geprüft am 5. Oktober 2026 · nächste Durchsicht bis 5. Oktober 2027
- 5. Oktober 2026Version 1.1: Hinweis zu Handgelenkgeräten präzisiert (nur auf Herzhöhe genau).
- 5. Oktober 2026Freigabe. Salz aus „Selbst tun“ genommen (strittige Studienlage), Rauchstopp aufgenommen, Links zu Yoga und Qigong.
Geprüft von Stefan Höhne, Facharzt für Allgemeinmedizin. Neue Studien und Leitlinien werden bei der nächsten Durchsicht eingearbeitet; Änderungen stehen hier mit Datum.
Quellen: Law und Kollegen, BMJ 2003 (Wirkung und Nebenwirkungen, 354 Studien); Thomopoulos und Kollegen, J Hypertens 2016 (Therapieabbrüche); Cornelissen und Smart 2013 (Bewegung); Neter und Kollegen 2003 (Gewicht); Groppelli und Kollegen 1992 (Rauchen); Filippou und Kollegen 2020 (Ernährung); Roerecke und Kollegen 2017 (Alkohol). Ärztlich verantwortet von Stefan Höhne, Facharzt für Allgemeinmedizin. Die Seite ist unabhängig: kein Sponsor, keine Werbung, keine Handelsnamen. Alle Patienteninformationen