Wo die Ischämie sitzt, sagt die ST-Strecke

Im Ischämieareal fließt ein Läsionsstrom, der auf die betroffene Wand zeigt.

Alles Weitere ist Geometrie: Wer auf die Wand schaut, sieht eine Hebung — wer von der anderen Seite schaut, dieselbe Größe mit umgekehrtem Vorzeichen. Die spiegelbildliche Senkung ist hier nicht eingetragen, sie fällt aus der Rechnung heraus.

Wo ist das Ischämieareal?

Im geschädigten Areal fließt ein Läsionsstrom, der nach außen auf die betroffene Wand zeigt. Alles Weitere ist Geometrie.

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Was kein Infarkt ist

Eine Hebung erkennen kann jeder. Die Kunst ist, sie nicht zu befunden, wo sie nicht hingehört.

Vorderwand (anteroseptal) — durchgreifend, Akutstadium

Deutliche ST-Hebung, die in die T-Welle übergeht. In den gegenüberliegenden Ableitungen die spiegelbildliche Senkung.

ST-Hebung in V2, V3, V4, V1, V5, aVL, V6, I — am stärksten in V2 mit 0.57 mV.
ST-Senkung in III, aVF.
IqR
ST +0.12 mV
aVRQ
ST -0.01 mV
V1rS
ST +0.45 mV
V4R
ST +0.46 mV
IIR
ST -0.10 mV
aVLqR
ST +0.20 mV
V2rS
ST +0.57 mV
V5R
ST +0.33 mV
IIIRS
ST -0.22 mV
aVFR
ST -0.18 mV
V3RS
ST +0.55 mV
V6qR
ST +0.18 mV

Die ST-Werte sind 60 ms nach dem J-Punkt gemessen — dort, wo man am Papier misst. Ein kleines Kästchen sind 0,1 mV. Lehrmaterial, keine klinische Entscheidungshilfe: Die Grenzwerte, ab denen eine Hebung als Infarktzeichen gilt, hängen von Ableitung, Alter und Geschlecht ab und stehen in den Leitlinien.

Übungsteil

Jetzt du: Was ist das — und gibt es eine Gegenseite?

Sechzehn EKGs ohne Namen, zehn davon echte Aufzeichnungen aus PTB-XL. Die Reihenfolge der Fragen ist immer dieselbe: Wo ist eine Hebung? Gibt es gegenüber eine Senkung? Ist der QRS breit? Steht schon eine Q-Zacke da?

EKG 1 von 15 · gerechnet0 richtig
I
aVR
V1
V4
II
aVL
V2
V5
III
aVF
V3
V6
Quiz

Zehn Fragen zur Ischämie im EKG

Nach jeder Antwort steht, warum sie richtig oder falsch war.

Frage 1 von 10Score: 0

Warum sieht man beim Hinterwandinfarkt in aVL eine ST-Senkung, obwohl dort nichts beschädigt ist?

Der eine Satz, um den alles geht

Eine ST-Hebung ohne Gegenseite ist etwas anderes als eine mit. Beim Infarkt gehört die spiegelbildliche Senkung zum Bild, weil ein Vektor zwei Enden hat. Bei der Perikarditis fehlt sie — dort ist nicht eine Wand betroffen, sondern das Herz ringsum.

Die Kurven sind gerechnet, nicht aufgezeichnet. Die Richtungen der Wände sind Lehrbuchnäherungen, und die Zuordnung der Wände zu den Erregungsgebieten des Modells ist eine Festlegung — beides offengelegt in docs/EKG_KRITERIEN.md. Die frühe Repolarisation ist nachgebildet und nicht hergeleitet. Lehrmaterial, keine klinische Entscheidungshilfe.

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