Für Patientinnen und Patienten · Lesezeit 7 Minuten · Ärztlich geprüft am 6. Oktober 2026

Erkältung, Halsschmerz, Husten: Brauche ich ein Antibiotikum?

Meistens nicht, und das ist eine gute Nachricht. Hier steht, wann ein Infekt in die Praxis gehört, wie lange er wirklich dauert, was ein Antibiotikum bringt und was nicht, und was Ihnen tatsächlich hilft.

Das Wichtigste in drei Sätzen

  1. Erkältung, Halsschmerz, Husten und Nebenhöhlen kommen fast immer von Viren. Dagegen wirkt kein Antibiotikum.
  2. Ein Infekt dauert länger, als man denkt: eine Woche für Hals und Nase, bis zu drei Wochen Husten. Das ist normal.
  3. Ein Antibiotikum verkürzt einen gewöhnlichen Infekt um einen halben bis einen Tag und macht bei jedem zehnten Nebenwirkungen.

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Gehört das in die Praxis? Der Wegweiser

Diese Zeichen sind selten. Wenn eines zutrifft, sollte jemand hinhören.

Kreuzen Sie an, was zutrifft. Trifft nichts zu, lassen Sie alles leer.

Kein Warnzeichen: ein gewöhnlicher Infekt

Unangenehm, aber ungefährlich. Ihr Körper schafft das in der Regel allein. Unten steht, was hilft und wie lange es dauert. Melden Sie sich, wenn ein Warnzeichen dazukommt.

Ihre Häkchen werden nicht gespeichert und nicht gesendet. Für Kinder unter zwei Jahren gilt diese Liste nicht: Bei Fieber bitte immer in die Praxis.

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Vier Bilder, und was ein Antibiotikum bringt

Zu jedem steht, woran Sie es erkennen, wie lange es dauert, und was von 100 Menschen mit Antibiotikum gewinnen und was sie riskieren.

Der Halsschmerz

In der Fachsprache: Pharyngitis, Tonsillitis

Woran Sie es erkennen

  • Schmerzen beim Schlucken, geröteter Hals, manchmal weiße Stippchen
  • Oft mit Schnupfen und Husten: dann fast immer Viren
  • Ohne Husten, mit Fieber und dicken Halslymphknoten: dann öfter Streptokokken

Wie lange es dauert

7 Tage

Eine Woche. 82 von 100 sind nach sieben Tagen auch ohne Antibiotikum beschwerdefrei.

Was ein Antibiotikum hier bringt, von 100 Menschen

82 sind nach einer Woche auch ohne über den Berg

6 werden mit dem Mittel schneller gesund

10 bekommen Nebenwirkungen: Durchfall, Ausschlag, Pilz

Ein Antibiotikum verkürzt den Halsschmerz im Schnitt um etwa einen Tag. Nach einer Woche gewinnt nur noch 1 von 18 etwas dazu.

Quelle: Spinks, Cochrane 2021

Wann doch: Bei Hinweisen auf Streptokokken mit hohem Score und Fieber, bei Scharlach, bei einseitiger Schwellung mit Schluckstörung. Das klären wir mit Blick in den Hals, bei Bedarf mit einem Schnelltest.

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Warum wir mit Antibiotika sparsam sind

Es hilft nicht gegen Viren. Ein Antibiotikum tötet Bakterien. Bei einer Erkältung gibt es keine zu töten, es trifft nur die nützlichen im Darm.

Es hat Nebenwirkungen. Durchfall, Übelkeit, Hautausschlag, bei Frauen oft eine Pilzinfektion. Bei etwa jedem Zehnten.

Es macht Bakterien widerstandsfähig. Jede unnötige Behandlung züchtet Keime, gegen die das Mittel beim nächsten Mal nicht mehr wirkt. Das trifft Sie selbst, nicht nur andere.

Und wenn es doch nötig ist, nehmen wir es. Bei Lungenentzündung, bei Streptokokken mit hohem Fieber, bei Komplikationen. Das erkennen wir in der Praxis, nicht am Telefon. Deshalb kein Rezept ohne Blick in den Hals oder aufs Lungenhören.

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Was kann ich selbst tun?

Geordnet danach, wie gut es belegt ist.

Zeit und Schlaf

Gut belegt

Das Immunsystem braucht Tage, nicht Stunden. Schlaf ist die Behandlung, die am meisten bringt. Bettruhe muss nicht sein, Schonung ja.

Schmerz- und Fiebermittel nach Packungsbeilage

Gut belegt

Ibuprofen oder Paracetamol lindern Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen und senken Fieber. Dosis und Dauer wie in der Packungsbeilage, ohne ärztlichen Rat höchstens drei bis vier Tage. Fieber muss nicht auf null, es soll erträglich sein.

Trinken und warm halten

Einige Studien, kleine Wirkung

Tee, Wasser, Suppe. Warme Getränke lindern Halsschmerz und Husten kurzfristig spürbar. Zwei Liter am Tag, bei Fieber mehr.

Honig gegen Husten

Einige Studien, kleine Wirkung

Ein Löffel Honig, pur oder im Tee, lindert nächtlichen Husten in Studien etwas besser als nichts, ähnlich wie Hustensaft. Nicht für Kinder unter einem Jahr.

Salzwasser für die Nase

Einige Studien, kleine Wirkung

Nasendusche oder Salzspray, mehrmals täglich. Löst den Schleim, befeuchtet, ohne Gewöhnung.

Abschwellendes Nasenspray

Einige Studien, kleine Wirkung

Macht die Nase frei und den Schlaf möglich. Höchstens sieben Tage, sonst gewöhnt sich die Nase daran und schwillt ohne Spray zu.

Lutschen

Wenige, kleine Studien

Lutschtabletten oder Bonbons regen den Speichel an und lindern den Halsschmerz kurz. Welche, ist egal.

Nicht rauchen

Einige Studien, kleine Wirkung

Rauch reizt die entzündeten Schleimhäute und verlängert den Husten. Ein Infekt ist ein guter Anlass für eine Pause, und mancher Pause folgt der Schluss.

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Aus anderen Heiltraditionen

Zum Weiterlesen. Bei jedem Punkt steht, wie gut er nach westlichen Studien belegt ist.

Hühnersuppe

überall, wo es Hühner gibt

Wenige, kleine Studien

Warm, salzig, flüssig: Sie tut dasselbe wie Tee und Suppe, plus Zuwendung. Eine Laborstudie fand eine milde entzündungshemmende Wirkung. Reicht uns als Beleg.

Thymian, Efeu, Primel

Europa

Einige Studien, kleine Wirkung

Pflanzliche Hustenmittel aus der Apotheke, in einigen Studien etwas wirksamer als ein Scheinmittel. Für Husten mit Schleim.

Kapland-Pelargonie

Südafrika

Einige Studien, kleine Wirkung

Als Umckaloabo bekannt. Bei akuter Bronchitis in Studien eine kleine Verkürzung der Beschwerden. Die Studien stammen überwiegend vom Hersteller.

Ingwer, Zwiebel, Knoblauch

Asien, Europa

Nach westlichen Studien nicht belegt

Als Tee oder Sirup angenehm, eine Wirkung auf die Dauer eines Infekts ist nicht gezeigt. Schaden tun sie nicht.

Echinacea

Nordamerika

Wenige, kleine Studien

Sonnenhut. Viele Studien, widersprüchliche Ergebnisse, wenn überhaupt ein kleiner Effekt. Selten allergische Reaktionen.

Inhalieren mit Dampf

Europa

Nach westlichen Studien nicht belegt

Fühlt sich gut an, die Studien zeigen keinen Nutzen für Schnupfen oder Nebenhöhlen. Verbrühungen sind die häufigste Nebenwirkung, besonders bei Kindern.

Hochdosiertes Vitamin C und Zink

westliche Nahrungsergänzung

Wenige, kleine Studien

Vitamin C verhindert keine Erkältung und verkürzt sie bei den meisten nicht. Zink-Lutschtabletten verkürzen sie in einigen Studien um etwa einen Tag, schmecken aber scheußlich.

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Kurz geprüft: Was nehmen Sie mit?

Fünf Fragen für alle, die mögen. Ohne Note.

1. Ihr Schnupfen ist seit drei Tagen gelbgrün. Was heißt das?

2. Wie lange hustet man nach einer Bronchitis im Durchschnitt?

3. Was bringt ein Antibiotikum bei einer gewöhnlichen Bronchitis?

4. Sie haben Halsschmerzen mit Schnupfen und Husten. Wie wahrscheinlich sind Streptokokken?

5. Welches Zeichen gehört noch heute in die Praxis?

Keine Note, kein Zeitdruck. Ihr Stand wird auf diesem Gerät gemerkt.

Was diese Seite nicht kann

Sie stellt keine Diagnose und ersetzt keine Untersuchung. Sie gilt für sonst gesunde Erwachsene. Für Kinder unter zwei Jahren, in der Schwangerschaft und bei schweren Vorerkrankungen gelten andere Regeln: Bitte melden Sie sich bei Fieber in der Praxis.

Version 1.0 · Ärztlich geprüft am 6. Oktober 2026 · nächste Durchsicht bis 6. Oktober 2027
  • 6. Oktober 2026Freigabe mit Wegweiser, vier Bildern und „Antibiotikum von 100“, dazu die Praxisansicht. Quellen: Spinks 2021; Smith 2017; Lemiengre 2018 (alle Cochrane); Ebell 2013.

Geprüft von Stefan Höhne, Facharzt für Allgemeinmedizin. Neue Studien und Leitlinien werden bei der nächsten Durchsicht eingearbeitet; Änderungen stehen hier mit Datum.

Quellen: Spinks und Kollegen, Cochrane 2021 (Halsschmerz); Smith und Kollegen, Cochrane 2017 (Bronchitis); Lemiengre und Kollegen, Cochrane 2018 (Nebenhöhlen); Kenealy und Arroll, Cochrane 2013 (Erkältung); Ebell und Kollegen 2013 (Hustendauer); DEGAM-Leitlinien Halsschmerzen, Husten, Rhinosinusitis. Ärztlich verantwortet von Stefan Höhne, Facharzt für Allgemeinmedizin. Die Seite ist unabhängig: kein Sponsor, keine Werbung, keine Handelsnamen. Alle Patienteninformationen · Für das Praxisteam