Für Patientinnen und Patienten · Lesezeit 9 Minuten · Version 1.0 · Ärztlich geprüft am 8. Oktober 2026 · nächste Durchsicht bis 8. Oktober 2027

Kopfschmerz: Welcher gefährlich ist, welcher nur weh tut, und was das Tagebuch verrät

Fast jeder Mensch hat Kopfschmerzen, und fast nie steckt etwas Gefährliches dahinter. Die wenigen Ausnahmen erkennt man an bestimmten Zeichen, nicht an der Stärke. Hier stehen diese Zeichen, die vier häufigen Kopfschmerzarten zum Wiedererkennen, ein Tagebuch für die vier Wochen vor dem Praxisbesuch, und was Schmerzmittel wirklich bringen, in Zahlen.

Das Wichtigste in drei Sätzen

  1. Ein Kopfschmerz, der in einer Minute wie ein Schlag da ist, oder einer mit Lähmung, Sprachstörung oder steifem Nacken und Fieber, ist ein Notfall. Alle anderen fast nie.
  2. Schmerzmittel an höchstens zehn Tagen im Monat. Darüber machen sie selbst Kopfschmerzen.
  3. Vier Wochen Tagebuch sagen mehr als jedes Gespräch. Füllen Sie es aus, drucken Sie es, bringen Sie es mit.

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Wegweiser: Wann es eilt

Sechzehn Zeichen, vier Stufen. Kreuzen Sie an, was zutrifft, und die Seite sagt, wie eilig es ist.

Kreuzen Sie an, was zutrifft. Trifft nichts zu, lassen Sie alles leer.

Kein Warnzeichen

Dann ist es mit großer Wahrscheinlichkeit einer der häufigen Kopfschmerzen, die unten beschrieben sind. Unangenehm, aber nicht gefährlich. Melden Sie sich, wenn ein Warnzeichen dazukommt.

Ihre Häkchen werden nicht gespeichert und nicht gesendet. Für Kinder gilt diese Liste nicht: Bei neuem, starkem Kopfschmerz eines Kindes bitte in die Praxis.

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Vier Bilder: Welcher Kopfschmerz ist es?

Die vier häufigen Arten, woran man sie erkennt, wie lange sie dauern und was jeweils hilft.

Zwei von drei Menschen kennen ihn. Der häufigste Kopfschmerz überhaupt.

Woran Sie ihn erkennen

  • Beidseitig, wie ein Band oder ein Helm, drückend, nicht pulsierend
  • Leicht bis mittel: unangenehm, aber der Alltag geht weiter
  • Keine Übelkeit, höchstens Licht- oder Lärmempfindlichkeit, nicht beides
  • Bewegung macht ihn nicht schlimmer, oft sogar besser

Wie lange

Eine halbe Stunde bis mehrere Tage.

Was hilft

Bewegung an der frischen Luft, Pfefferminzöl auf die Schläfen, Wärme im Nacken, Entspannung. Schmerzmittel wirken, aber bescheiden: Ibuprofen 400 mg macht etwa 7 von 100 zusätzlich schmerzfrei. Bei mehr als zwei Tagen in der Woche gehört er in die Praxis, bevor die Tabletten zum Problem werden.

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Ihr Kopfschmerztagebuch

Vier Wochen vor dem Praxisbesuch. Jeder Kopfschmerztag ein Eintrag. Die Seite zählt Kopfschmerztage, Schmerzmitteltage und Migränetage und sagt, wann das Muster in die Praxis gehört. Zum Drucken.

Noch kein Beginn. Der erste Eintrag startet die vier Wochen.

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Kopfschmerztage

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davon mit Schmerzmittel

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davon migräneartig

In den letzten 28 Tagen. Schmerzmittel an höchstens zehn Tagen: 10 von 10 noch frei.

Ihre Einträge bleiben auf diesem Gerät. Sie werden nirgendwohin gesendet, und niemand außer Ihnen sieht sie. Wenn Sie den Browserverlauf löschen, sind sie weg: Drucken Sie das Tagebuch vor dem Termin aus. Tage ohne Kopfschmerz müssen Sie nicht eintragen.

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Schmerzmittel: was sie bringen, wie man sie nimmt

Schmerzfrei nach zwei Stunden, von 100 Menschen, aus den Cochrane-Übersichten. Dazu die Dosierung nach Packungsbeilage und die Regel, die vor dem Medikamentenkopfschmerz schützt.

Ibuprofen 400 mg

Migräne

26 von 100 nach zwei Stunden schmerzfrei, 12 auch ohne Wirkstoff. Gewinn: 14.

Rabbie 2013, Cochrane

Paracetamol 1000 mg

Migräne

19 von 100 nach zwei Stunden schmerzfrei, 10 auch ohne Wirkstoff. Gewinn: 9.

Derry 2013, Cochrane

Sumatriptan 50 mg

Migräne

16 von 100 zusätzlich schmerzfrei nach zwei Stunden.

Derry 2012, Cochrane (NNT 6)

Ibuprofen 400 mg

Spannungskopfschmerz

7 von 100 zusätzlich schmerzfrei nach zwei Stunden.

Derry 2015, Cochrane (NNT 14)

Paracetamol 1000 mg

Spannungskopfschmerz

5 von 100 zusätzlich schmerzfrei nach zwei Stunden.

Stephens 2016, Cochrane (NNT 22); 500 mg nicht besser als Placebo

Was die Punkte sagen

Hellgrün: wären auch ohne Wirkstoff schmerzfrei. Dunkelgrün: gewinnen durch das Mittel. Grau: haben nach zwei Stunden noch Schmerzen. Linderung, also „deutlich besser“, erreichen mehr: bei Ibuprofen 57 statt 25 von 100. Kein Mittel hilft allen, und früh genommen hilft jedes besser.

Die Zehn-Tage-Regel

Schmerzmittel gegen Kopfschmerz an höchstens zehn Tagen im Monat, und nicht mehr als drei Tage hintereinander. Das gilt für alle: Ibuprofen, Paracetamol, Aspirin, Triptane, Kombinationen. Wer öfter braucht, braucht nicht mehr Tabletten, sondern eine Vorbeugung. Das Tagebuch zählt die Tage für Sie.

Nach Packungsbeilage

Ibuprofen 400 mg

Eine Tablette, bei Bedarf nach frühestens sechs Stunden wieder, höchstens drei am Tag. Ohne ärztlichen Rat nicht länger als vier Tage. Ab 12 Jahren.

Mit etwas Essen. Nicht bei Magengeschwür, schwerer Nierenschwäche, im letzten Schwangerschaftsdrittel oder zusammen mit Blutverdünnern ohne Rücksprache.

Paracetamol 500 mg

Ein bis zwei Tabletten, Abstand mindestens sechs Stunden, höchstens acht Tabletten am Tag. Ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei Tage.

Bei Kopfschmerz wirken erst 1000 mg, 500 mg nicht besser als Placebo. Nicht mehr als angegeben: Die Leber verzeiht Überdosen nicht. Vorsicht bei Lebererkrankung und regelmäßigem Alkohol.

Acetylsalicylsäure 500 mg

Eine Tablette, bei Bedarf nach frühestens vier Stunden eine zweite, höchstens zwei Tabletten am Tag. Ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei bis vier Tage. Nicht für Kinder und Jugendliche unter 12.

Als Brausetablette schneller. Nicht bei Magengeschwür, Blutverdünnern, Asthma mit Schmerzmittelunverträglichkeit oder vor Operationen.

Sumatriptan 50 mg oder Naratriptan 2,5 mg (rezeptfrei)

Nur, wenn eine Migräne ärztlich festgestellt wurde. Eine Tablette zu Beginn des Kopfschmerzes, nicht in der Aura. Frühestens nach zwei Stunden (Sumatriptan) oder vier Stunden (Naratriptan) eine zweite, höchstens zwei am Tag.

Nicht bei Herzinfarkt, Schlaganfall, Angina, unbehandeltem Bluthochdruck oder Durchblutungsstörungen. Früh genommen wirkt es deutlich besser. Bei mehr als drei Attacken im Monat Vorbeugung besprechen.

Angaben für Erwachsene nach den Gebrauchsinformationen rezeptfreier Packungen. Die Packungsbeilage in Ihrer Hand gilt; bei Vorerkrankungen oder anderen Medikamenten fragen Sie vorher in der Apotheke oder bei uns.

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Was Sie selbst tun können, und wann Vorbeugung

Geordnet nach Beleg. Das Wirksamste kostet nichts und ist keine Tablette.

Ausdauersport, dreimal 40 Minuten in der Woche

Gut belegt

Bei Migräne senkt das die Attacken so stark wie ein vorbeugendes Medikament: in einer Studie etwa eine Attacke weniger im Monat, genau wie Topiramat und wie Entspannungstraining. Radfahren, zügiges Gehen, Schwimmen.

Varkey 2011

Entspannung lernen

Gut belegt

Progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder Biofeedback, zehn bis 15 Minuten am Tag. Kurse zahlen die Kassen meist; dazu gibt es digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA, „Apps auf Rezept“) gegen Migräne, die wir verordnen können. Wirkt bei Spannungskopfschmerz und Migräne.

Nestoriuc 2008

Regelmäßigkeit

Einige Studien, kleine Wirkung

Das Migränegehirn mag keine Abweichung: feste Schlafzeiten auch am Wochenende, keine ausgelassenen Mahlzeiten, Koffein jeden Tag gleich viel oder gar nicht. Der Wochenendkopfschmerz ist oft Ausschlafen plus Kaffee zu spät.

Auslöser notieren, nicht jagen

Einige Studien, kleine Wirkung

Schokolade, Käse, Rotwein: Was wie ein Auslöser aussieht, ist oft schon der Vorbote der Attacke (Heißhunger). Ein Tagebuch zeigt echte Muster; eine Verbotsliste macht nur das Leben kleiner.

Trinken

Wenige, kleine Studien

Anderthalb Liter mehr am Tag brachten in einer kleinen Studie etwas weniger Kopfschmerzstunden. Kostet nichts, schadet nicht, kein Wundermittel.

Spigt 2012

Nacken und Bildschirm

Wenige, kleine Studien

Bei Spannungskopfschmerz: Bildschirm auf Augenhöhe, jede Stunde aufstehen, Schultern kreisen, Wärme in den Nacken. Physiotherapie bei verspanntem Nacken hilft manchen.

Kälte oder Wärme

Wenige, kleine Studien

Bei Migräne ein Kühlpack auf Stirn oder Nacken, bei Spannungskopfschmerz Wärme. Kleine Studien, viele zufriedene Anwender.

Wann Vorbeugung, und welche

Wann: Ab drei Attacken oder vier Migränetagen im Monat, wenn die Akutmittel schlecht wirken oder nicht vertragen werden, oder wenn die Zehn-Tage-Regel nicht mehr einzuhalten ist.

Ohne Tabletten: Ausdauersport, Entspannung und Akupunktur wirken in Studien so gut wie Tabletten, mit weniger Nebenwirkungen. Sie brauchen drei Monate, bis man es merkt.

Mit Tabletten: Es gibt Medikamente, die die Zahl der Migränetage etwa halbieren: ältere, günstige aus der Blutdruck- und Epilepsiebehandlung, und seit 2018 Antikörper gegen den Migränebotenstoff CGRP, als Spritze alle vier Wochen; die verordnet die Neurologie, wenn anderes versagt hat. Welches passt, hängt von Ihnen ab: Gewicht, Blutdruck, Schlaf, Kinderwunsch. Das ist ein Gespräch, kein Rezept.

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Aus anderen Traditionen, und aus der Werbung

Zum Weiterlesen. Bei jedem Punkt steht, wie gut er nach westlichen Studien belegt ist.

Akupunktur

China

Einige Studien, kleine Wirkung

Bei Migräne halbierte sich die Zahl der Attacken bei 41 von 100 gegenüber 17 ohne Behandlung; gegen Scheinakupunktur war der Vorsprung klein (50 gegen 41). Bei Spannungskopfschmerz 48 gegen 19. Mindestens so gut wie Tabletten zur Vorbeugung, aber bei Kopfschmerz keine Kassenleistung.

Pfefferminzöl auf die Schläfen

Europa

Einige Studien, kleine Wirkung

Zehnprozentige Lösung, großflächig auf Schläfen und Stirn. Bei Spannungskopfschmerz in Studien ähnlich wirksam wie Paracetamol 1000 mg. Nicht in die Augen, nicht bei Kleinkindern.

Koffein

Überall

Einige Studien, kleine Wirkung

Als Zusatz zum Schmerzmittel verstärkt es die Wirkung: Die Kombination aus Aspirin, Paracetamol und Koffein ist gut belegt. Als tägliche Gewohnheit macht der Entzug Kopfschmerzen. Beides stimmt.

Magnesium

Nahrungsergänzung

Wenige, kleine Studien

600 mg am Tag zur Migränevorbeugung: kleine Studien, kleiner Effekt, weicher Stuhl. Unbedenklich; wer es versuchen will, gibt ihm drei Monate.

Ingwer

Asien

Wenige, kleine Studien

In einer kleinen Studie bei Migräne ähnlich wirksam wie Sumatriptan, in anderen nicht. Gegen die Übelkeit hilft er; als Tee oder Kapsel unbedenklich.

Pestwurz

Europa

Schadet eher

Wirkt in Studien zur Migränevorbeugung, aber Extrakte haben Leberschäden verursacht. In Deutschland ist die Zulassung erloschen. Nicht aus dem Internet bestellen.

Yoga

Indien

Wenige, kleine Studien

Als Ergänzung zur üblichen Behandlung in kleinen Studien weniger Attacken. Wenn es Ihnen guttut, gibt es keinen Grund dagegen.

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Kurz geprüft: Was nehmen Sie mit?

Fünf Fragen für alle, die mögen. Ohne Note.

1. Welcher Kopfschmerz gehört sofort in den Notruf?

2. An wie vielen Tagen im Monat dürfen Sie Schmerzmittel gegen Kopfschmerz nehmen?

3. Welche Paracetamol-Dosis wirkt bei Kopfschmerz?

4. Wann nimmt man bei Migräne das Mittel am besten?

5. Was senkt die Zahl der Migräneattacken so stark wie ein vorbeugendes Medikament?

Keine Note, kein Zeitdruck. Ihr Stand wird auf diesem Gerät gemerkt.

Was diese Seite nicht kann

Sie gilt für Erwachsene. Sie stellt keine Diagnose: Der Wegweiser sortiert nach Eile, die vier Bilder helfen beim Wiedererkennen, das Tagebuch zählt. Was Ihr Kopfschmerz ist, klären wir gemeinsam. Medikamente nehmen Sie nach der Packungsbeilage in Ihrer Hand, nicht nach dieser Seite. Die Zahlen „von 100“ sind Durchschnitte aus Studien; für Sie persönlich sind sie eine Richtung.

Version 1.0 · Ärztlich geprüft am 8. Oktober 2026 · nächste Durchsicht bis 8. Oktober 2027
  • 8. Oktober 2026Entwurf: Wegweiser mit 16 Zeichen, vier Bilder, Kopfschmerztagebuch zum Ausfüllen und Drucken mit Zehn-Tage-Zähler, Schmerzmittel „von 100“ nach Packungsbeilage, Vorbeugung, Traditionen, Quiz. Quellen: Rabbie 2013; Derry 2012, 2013, 2015; Stephens 2016; Linde 2016; Varkey 2011 (alle PubMed-geprüft).
  • 8. Oktober 2026Freigabe: Stärke im Tagebuch 0 bis 10, Hinweis auf DiGA, Acetylsalicylsäure höchstens zwei Tabletten am Tag, Mutterkraut gestrichen, CGRP-Antikörper über die Neurologie.

Geprüft von Stefan Höhne, Facharzt für Allgemeinmedizin. Neue Studien und Leitlinien werden bei der nächsten Durchsicht eingearbeitet; Änderungen stehen hier mit Datum.

Quellen: Rabbie und Kollegen, Cochrane 2013 (Ibuprofen bei Migräne); Derry und Kollegen, Cochrane 2012 (Sumatriptan oral) und 2013 (Paracetamol bei Migräne); Derry und Kollegen, Cochrane 2015 (Ibuprofen bei Spannungskopfschmerz); Stephens und Kollegen, Cochrane 2016 (Paracetamol bei Spannungskopfschmerz); Linde und Kollegen, Cochrane 2016 (Akupunktur, zwei Übersichten); Varkey und Kollegen, Cephalalgia 2011 (Sport als Vorbeugung); Internationale Kopfschmerzklassifikation ICHD-3; Leitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Ärztlich verantwortet von Stefan Höhne, Facharzt für Allgemeinmedizin. Die Seite ist unabhängig: kein Sponsor, keine Werbung, keine Handelsnamen. Alle Patienteninformationen